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Vorlage - VI/2017/0590/SR  

 
 
Betreff: Beschluss zur weiteren Vorgehensweise Krematorium
Status:öffentlichVorlage-Art:Beschlussvorlage SR
Federführend:65 Hoch- und Tiefbau / Öffentliche Einrichtungen   
Beratungsfolge:
Technischer Ausschuss Vorberatung
24.04.2017 
Öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Technischen Ausschusses      
Stadtrat Entscheidung
08.05.2017 
Öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Stadtrates geändert beschlossen  (2017/05/VI/292)

Beschlussvorschlag
Sachverhalt
Finanzielle Auswirkungen
Anlage/n
Anlagen:
Anlage 1a
Anlage 1b
Anlage 2 - Ofenanlage Krematorium (pdf)
Anlage 3a - Kalkulationsübersicht zu Variante 1a
Anlage 3b - Kalkulationsübersicht zu Variante 1b
Anlage 4 Kalkulationsübersicht Krematorium seit 2013

Beschlussvorschlag:

Beschlussvorschlag:

Der Stadtrat beschließt

 

1. die grundhafte Sanierung der Kremationstechnik mit folgender Maßgabe:

 

a) grundhafte Erneuerung mit größerem Ofen einschließlich peripherer Rauchgastechnik, die dafür erforderliche überplanmäßige Ausgabe in Höhe von 400 T€ in 2017/18 ist aus folgenden Maßnahmen, die dann zu verschieben sind, bzw. Einsparungen vorläufig zu finanzieren:

 

2017

2018

Einsparung aus dem laufenden Aufwendungen im Produkt 553001 Krematorium

25.000,00 EUR

25.000,00 EUR

 

Verschiebung der Erneuerung von Friedhofseinfriedungen nach 2019

50.000,00 EUR

50.000,00 EUR

Verringerung Instandhaltung an den Garagen auf jährlich 10.000 EUR

13.000,00 EUR

20.000,00 EUR

Verschiebung Erneuerung Schließsystem Markt 1 und Markt 6/7 nach 2019

50.000,00 EUR

 

Verschiebung Neubau Bolzplatz im Freibad nach 2019

75.000,00 EUR

 

Verschiebung Neubau Mehrzweckplatz (Tartanbahn) an der Friedensschule nach 2019

14.500,00 EUR

 

Entnahme aus Liquiditätsreserve

 

77.500,00 EUR

 

Gesamt:

 

227.500,00 EUR

 

172.500,00 EUR

 

 

b) grundhafte Erneuerung nur der Ofentechnik mit später durchgeführter Modernisierung

der Abgasstrecke

 

 


Gesetzliche Grundlagen:

§ 28 i.V.m § 41 Abs. 1 SächsGemO

§ 2 Hauptsatzung der Stadt Reichenbach

§ 43 Abs. 1 SächsGemO i.V.m. § 5 Abs. 3 und § 7 Abs. 1 Hauptsatzung der Stadt Reichenbach

 

 

Sach- und Rechtslage:

Nachdem der Vorplanungsprozess unter Einbeziehung des potentiellen Auftragnehmers abgeschlossen ist, muss festgestellt werden, dass die in der Informationsvorlage vom Dezember 2016 genannten Grobkosten zu allen Varianten nicht zutreffend sind.

Ursachen hierfür sind hauptsächlich:

- die fehlende Kenntnis vom wahren Zustand und der Leistungsfähigkeit der einzelnen technischen Komponenten (z.B. konnte eine Einschätzung des unterirdischen Rauchgaskanals erst nach Abbau des Ofen I vorgenommen werden)

- die vorherige Unklarheit zu den wechselseitigen Abhängigkeiten der Komponenten je nach Ofentyp  (Katalyse- und Filtertechnik, Saugzuggebläse, etc.) und den daraus resultierenden Austausch- bzw. Anpassungszwang

- die offensichtlich unzutreffenden Basiskosten des seinerzeit involvierten Planungsbüros, auf der die Grobkostenannahme hergeleitet wurde

 

Die in der Informationsvorlage favorisierte Variante 1 war mit Grobkosten in Höhe von 500 T€, netto abgeschätzt, die aber bei weitem nicht ausreichen, um diese vollständig und in einem Zuge umzusetzen. Daraus ergeben sich u.U. weitreichende Konsequenzen für den städtischen Haushalt, die einer grundtzlichen Neubetrachtung und Diskussion bedürfen.

 

Aus Sicht der Verwaltung ergibt sich nunmehr eine Bauhauptlösungen, wobei die Variante 1 auch in zwei Untervarianten realisiert werden könnte. In der Anlage 1 sind diese mit den entsprechenden Kostenauswirkungen sowie Vor- und Nachteilen aufgeführt.

 

Variante 1a):grundhafte Erneuerung mit größerem Ofen einschließlich peripherer Rauchgastechnik

 

Diese Lösung umfasst einen fast kompletten Neubau nicht nur des Ofens, sondern auch aller anderen Komponenten der gesamten Abgasstrecke und der Beschickung und dies in einem Zuge.

Die weitreichenden Konsequenzen ergaben sich erst nach genauerer Betrachtung und Analyse des Zustandes der Abgaskomponenten und der baukonstruktiven Rahmenbedingungen im Rahmen der Planungsgespräche. 

Zum besseren Verständnis ist in Anlage 2 das Anlagenschema des Herstellers zu dieser Gesamtlösung dargestellt.

Mit den nun abgeschätzten Gesamtkosten von ca. 900 T€, netto ergeben sich sowohl Probleme in der Finanzierung im laufenden Haushalt als auch in der Refinanzierung, die in den Ausführungen im Abschnitt „finanzielle Auswirkungen“ skizziert sind.

 

Variante 1b):grundhafte Erneuerung nur der Ofentechnik mit später durchgeführter Modernisierung

der Abgasstrecke

 

Dieser Lösungsansatz beinhaltet den Neubau eines größeren Ofens, die Anpassung der Brenner- und Steuerungstechnik sowie des unterirdischen Abgaskanals und die Überholung des Wärmetauschers. Weitere Kosten laufen infolge der Instandsetzung des Katalysators auf. Die Details sind ebenso in der Anlage 1 zu erkennen.

Die dabei anfallenden Kosten belaufen sich auf 562 T€, netto, jedoch werden Folgeinvestitionen an der Abgasstrecke bis zum Jahr 2020 in Höhe von 510 T€ erforderlich. Diese betreffen hauptsächlich die oberirdischen Abgasleitungen, ein zukunftsfähiges Abgasreinigungssystem im Flugstromverfahren, Wärmeisolationsarbeiten und dann auch einen komplett neuen Wärmetauscher. Außerdem werden umfangreiche bauliche Anpassungen an der Baukonstruktion notwendig.

Mit dieser Lösung ließe sich ein betriebsfähiger Übergangszustand realisieren, dessen Mehrkosten in Höhe von 112 T€ im Finanzhaushalt wahrscheinlich auch darstellbar sind, die letztendlich aber teurer kommt  als Variante 1a.

 

 


Finanzielle Auswirkungen:

 

Der überwiegende Anteil der technischen Anlagenteile ist bereits seit 5 Jahren im städtischen Haushalt abgeschrieben und mit knapp 20 Jahren Nutzungsdauer länger im Betrieb, als es in anderen Krematorien der Fall ist.

Grundsätzlich wurde jede der hier präzisierten Bauvarianten mit einer Kalkulation unterlegt (Anlage 3a-3b).

Gegenüber der Informationsvorlage vom Dezember 2016 wurde einheitlich der Abschreibungszeitraum von 10 auf 15 Jahre erweitert. Dies ist auch realistisch, denn die bisherige Ofentechnik hat bereits eine Betriebsdauer von 19 Jahren erreicht, wobei gerade in den letzten 4 Jahren der Reparaturaufwand erheblich angestiegen ist.

Weiterhin wurde unterstellt, dass in der Variante 1a der jährliche Wartungsaufwand an der Wärmetauscher- und Katalysatortechnik deutlich reduziert werden kann, da ein anderes, weniger betreuungsintensives Verfahren (Flugstromverfahren) angewendet und ein Wärmetauscher mit selbstständigem Abreinigungssystem eingebaut werden soll.

In Anbetracht der Lohnkostenentwicklung wurde eine generelle Aufwandssteigerung über alles mit 3% zum Vorjahr eingestellt. Mit einem neuen, größeren Ofen lassen sich die Einäscherungszeiten sehr verkürzen, was zu einer Effektivitätssteigerung und zu einer Umstellung von Drei- auf überwiegend Zweischichtbetrieb, führen kann. Eine höhere Einäscherungszahl wäre zwar technisch möglich und anzustreben, aber auf Grund des Geburtenrückganges in den Jahren 1944 49 nicht zwingend voraussetzbar.

 

Auf der Ertragsseite wurde eine Entgeltanhebung von 10 €/Einäscherung ab 2018 veranschlagt.

In Zusammenfassung der Aussagen aus Anlage 3a b ist zu erkennen, dass die Realisierung der Variante 1a) die betriebswirtschaftlich günstigste Lösung darstellt, aber einen zusätzlichen Finanzbedarf von 450 T€ in 2017 erzeugt.

Die Refinanzierung gelingt auch nur dann, wenn der lfd. Aufwand mittelfristig reduziert wird (z.B. geringere Personalkosten infolge überwiegenden Zweischichtbetrieb), oder der Ertrag gesteigert werden kann (mehr Einäscherungen/Zeiteinheit, abermalige Entgeltsteigerung bis zum Jahr 2025). Dies ist mit moderner Ofentechnik gemäß Variante 1a) auch machbar und als Zielgröße vertragsseitig gegenüber dem Unternehmer zu fixieren.

 

Die in der Anlage 4 dargestellten Wirtschaftlichkeitsberechnungen wurden für die Aufgabenbereiche Krematorium und Trauerhalle (Trauerhalle, Abschiedräume, öffentliche Toilette) getrennt vorgenommen. In dieser Berechnung sind auch kalkulatorische Zinsen enthalten, die die Verzinsung des eingesetzten Kapitals darstellen. Eine weitere moderate Entgeltanpassung, bei gleichbleibenden Fallzahlen jeweils 2022, 2026 und 2030hrt dazu, dass die kalkulatorischen Zinsen überwiegend erwirtschaftet werden. Eine mögliche Erhöhung der Fallzahlen oder Einsparungen bei den Kosten verbessern das dargestellte Ergebnis.

r den Haushaltsplan der Stadt stellt der Überschuss an Zahlungsmittel aus dem laufenden Betrieb im Finanzhaushalt eine weitere wichtige Entscheidungsgröße dar. So werden durchschnittlich jährlich ca. 100 T€ Überschüsse erwirtschaftet und im Rahmen des Gesamtdeckungsprinzips für andere Maßnahmen bereitgestellt. Die eingesetzten 900 T€ an liquiden Mittel sind bis 2025 über die Entgelteinnahmen zurückgeflossen.

 

Fazit:

 

r die langfristige Weiterbetreibung des Krematoriums in eigener Hand empfiehlt das Fachamt die Realisierung der Variante 1a), wobei die Bereitstellung der zusätzlichen Mittel von ca. 400 T€ gemäß Beschlussvorschlag erfolgen könnte. Hierbei handelt es sich um einen vorläufigen Deckungsvorschlag, der in Abhängigkeit der Haushaltsplanrealisierung bis 2018 durch andere geeignete Einsparungen bzw. Mehreinnahmen verändert werden kann. Somit besteht die Möglichkeit einzelne Maßnahmen bereits 2018 durchzuführen.

 

In Summe aller Argumente empfiehlt die Verwaltung die Verfahrensweise gemäß Beschlussvorschlag Nr. 1 a).

 

 

 

 

Raphael KürzingerSven HörningHeike Hentschel

OberbürgermeisterFachbereichsleiterFachbedienstete für das

Bau und StadtentwicklungFinanzwesen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Anlagen:

1a-bKurzbeschreibung mit Vor-und Nachteilen

2Anlagenschema zu Variante 1a

3aKalkulationsübersicht zu Variante 1a

3bKalkulationsübersicht zu Variante 1b

4Wirtschaftlichkeitsberechnungen unter Einbeziehung kalkulatorischer Kosten

 

 

Anlagen:  
  Nr. Name    
Anlage 1 1 Anlage 1a (67 KB)    
Anlage 2 2 Anlage 1b (121 KB)    
Anlage 5 3 Anlage 2 - Ofenanlage Krematorium (pdf) (61 KB)    
Anlage 6 4 Anlage 3a - Kalkulationsübersicht zu Variante 1a (126 KB)    
Anlage 7 5 Anlage 3b - Kalkulationsübersicht zu Variante 1b (126 KB)    
Anlage 9 6 Anlage 4 Kalkulationsübersicht Krematorium seit 2013 (16 KB)