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Vorlage - VI/2017/0530/SR  

 
 
Betreff: Vorhabens- und Vergabeverfahrensbeschluss zum Umbau der Ofenanlage des Krematoriums
Status:öffentlichVorlage-Art:Beschlussvorlage SR
Federführend:65 Hoch- und Tiefbau / Öffentliche Einrichtungen   
Beratungsfolge:
Technischer Ausschuss Vorberatung
16.01.2017 
Öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Technischen Ausschusses      
Stadtrat Entscheidung
30.01.2017 
Öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Stadtrates ungeändert beschlossen  (2017/01/VI/271)

Beschlussvorschlag
Sachverhalt
Finanzielle Auswirkungen
Anlage/n
Anlagen:
Anlage 1 Ofenanlage Krematorium
Anlage 2 - Ofenanlage Krematorium
Vergleichsskizze
Anlage Sargeinfahrmaschine

Beschlussvorschlag:

Beschlussvorschlag:

Der Stadtrat beschließt:

 

  1. den Umbau der Ofentechnik gemäß den Ausführungen in der Anlage 1 zu realisieren.

 

  1. die Verwaltung zu ermächtigen, einen Generalübernehmervertrag mit der Fa. IFZW Industrieofen und Feuerfestbau GmbH & Co. KG aus Zwickau auszuverhandeln, mit dem Ziel, die wesentlichen, zu erneuernden Anlagenteile einschl. Steuerungskomponenten und Softwareanpassung von dieser in gesamtheitlicher Verantwortung, also einschließlich planerischer Leistungsanteile, zu übertragen.

 

  1. zur fachlichen Beratung und Kontrolle des Generalübernehmers das Ing.-büro VMT GmbH aus 07318 Saalfeld zu binden.

 

 

 


Gesetzliche Grundlagen:

-                      § 28, Abs.1 Sächsische Gemeindeordnung (SächsGemO)

-                      § 41 Abs. 4 SächsGemO i.V.m. § 4 Abs. 5 und § 6 Abs. 1 Hauptsatzung der Stadt  

             Reichenbach

-                      §§ 3, 3a VOB/A

 

 

 

Sach- und Rechtslage:

zu 1.)Unter Bezug auf die Informationsvorlage zur Stadtratssitzung wurde die Empfehlung

zur Variante 1 gegeben, die nun zügig umgesetzt werden soll.

Der Leistungsumfang im Einzelnen ist der Anlage 1 zu entnehmen.

Auf Grund der nunmehr verschlissenen Ofentechnik ist ein zügiger Umbau erforderlich, da

nicht abzusehen ist, wie lange die Ofenlinie 2 noch betrieben werden kann.

 

zu 2.)Ursprünglich war geplant, eine klassische Trennung zwischen Planung und Ausführung vor-

zunehmen und die ausführende Firma über eine beschränkte Ausschreibung mit öffentlichem

Teilnahmewettbewerb gemäß § 3a Abs. 3 VOB/A zu bestimmen.

Aus den Erfahrungen der zuletzt durchgeführten Bauabschnitte ist die Erkenntnis seitens des Fachamtes gereift, sowohl die Planungs- als auch die Bauleistungen in einer Hand zu belassen und somit das Konflikt- und Haftungsrisiko bei nur einem Vertragspartner zu bündeln.

Gerade im Schnittstellenbereich zwischen klassischer Ofentechnik und der Steuerungstechnik, die maßgeblichen Einfluss auf das Verbrennungsverhalten  (Langlebigkeit, Einhaltung Schadstoffgrenzwerte, sparsamer Gasverbrauch etc.) sollte die Verantwortung in einer Hand liegen.

Des Weiteren ist der Zeitdruck zu erklären, unter dem die Maßnahme durchgeführt werden muss. 

Ursprünglich war geplant im Jahr 2016 die Planung zur Sanierung und energetischen Optimierung der Ofenlinie 1 in Ruhe anzugehen und über das erwähnte Vergabeverfahren den Auftragnehmer mit den erforderlichen Leistungen für das II. Halbjahr 2017 zu binden. Parallel dazu  wäre die Ofenlinie 2 nutzbar gewesen.

Nach mehreren Untersuchungen und Notreparaturen ist jedoch davon auszugehen, dass die momentan noch funktionsfähige Ofenlinie 2 ähnlich gravierende Verschleißerscheinungen aufweist wie die bereits stillgelegte Ofenlinie 1 und es somit jederzeit zu einer plötzlichen Betriebseinstellung kommen kann.

Insoweit ist die Sachlage nach § 3a, Abs. 4 Nr. 2 VOB/A (Dringlichkeit) gegeben und eine freindige Vergabe statthaft.

 

Auch bei einer freihändigen Vergabe soll eine ausführliche Markterkundung durchgeführt und möglichst mehrere Angebote eingeholt werden. Unter Zuhilfenahme von eigenen Erfahrungswerten und durch Meinungsaustausch mit anderen Krematoriumsbetreibern hat das Fachamt folgende potentielle Auftragnehmer ermittelt:

r Etagenöfen gibt es in Deutschland als kompetente Unternehmenen die Firma Ruppmann Verbrennungsanlagen GmbH in Stuttgart und die Firma HS-Anlagenbau GmbH in Hagen bzw. Hamburg. Auf Grund der eingeholten Informationen über Verbrennungsanlagen beider Firmen mussten wir feststellen, dass z.B. die Firma Ruppmann Öfen baut, die relativ hohe Energiekosten  verursachen und keine moderne Verbrennungsregelung zur Steuerung der Einäscherung bieten, sondern nur eine zeitbezogene Regelung in Form einer Matrix. Beide genannten Firmen haben wir aber deswegen und auch auf Grund der Entfernung der Standorte nicht in die engere Wahl gezogen, da die in der Folge auf Grund von Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten anfallenden Kosten allein für die Anreise der Monteure höher ausfallen werden.

 

Die einzige Alternative zur Firma IFZW in Zwickau wäre die Firma Heinecke GmbH in Verden gewesen, die allerdings nur Flachbettöfen herstellen. Beim Flachbettofen findet die Einäscherung auf einer Ebene statt. Im Anschluss muss die Asche mittels entsprechender Vorrichtung nach hinten in die Ausbrennkammer geschoben werden. Dafür wird in der horizontalen mehr Raum benötigt, als im Krematorium Reichenbach auf Grund der baukonstruktiven Gegebenheiten vorhanden ist. Wollte man diese Technologie einführen, wären umfangreiche Umbauarbeiten an Kühlzellenkomplexen, Stahlbetondecken bis hin zum Abfangen von tragenden Wänden erforderlich.

 

Bei der Firma IFZW Industrieofen und Feuerfestbau GmbH & Co. KG in Zwickau handelt es sich um den europaweit führenden Anbieter von Einäscherungsöfen mit voll automatischem Verbrennungsprozessmanagement. Die Firma hat sich im Besonderen auch auf das Problem der zunehmenden Anzahl von adipösen Verstorbenen eingestellt und Öfen entwickelt, die 200 bis 450 kg  an maximalem Sargeinfahrgewicht bewältigen können. Die Firma IFZW hat ihren Sitz in Zwickau und somit auch einen Standortvorteil, der in der weiteren Betreuung durchaus betriebstechnische und finanzielle Vorteile beinhaltet.

 

Als Vertragsgrundlage dient ein sogenanntes Pflichtenheft, in dem die Anforderungen verbal

so genau wie möglich beschrieben werden und die im sogenannten partnerschaftlichen Dialog mit dem Auftragnehmer weiterentwickelt werden. Ziel ist es, so schnell wie möglich, spätestens Mitte Februar 2017 einen unterschriftsreifen Vertrag vorliegen zu haben, der den Auftragnehmer in die Lage versetzt, die benötigten Fertigungskapazitäten für das II. Quartal 2017 einzuplanen und eine zügige Realisierung vor Ort in den Monaten Mai/Juni abzusichern.

 

Die Durchführung eines Wettbewerbsverfahrens würde ca. 2 3 Monate zusätzlich in Anspruch nehmen, was außerdem die Bindung eines Planungsbüros voraussetzt, welches wiederum selbst eine unbestimmte Einarbeitungszeit benötigt. Auf Grund des oben beschriebenen Zustandes wäre aber die Gefahr sehr groß, einen noch größeren Stillstandszeitraum zu riskieren.

Das bisher involvierte  Fachplanungsbüro ist nach Ansicht des Fachamtes nicht in der Lage, die Schnittstellenproblematik zwischen Steuerung und Ofentechnik ausreichend zu beherrschen.

 

 

zu 3.)Um die Bauherreninteressen gegenüber der ausführenden Firma besser zu vertreten, schlägt das Fachamt die Bindung eines Fachmannes, Herrn Dipl. Ing. Sven Graf, Inhaber der VMT Verfahrens- und Meßtechnik GmbH aus 07318 Saalfeld vor.

Dieser besitzt Kernkompetenzen vor allem in der Meß- und Steuerungstechnik und ist selbst aktiv eingebunden in die behördlicherseits regelmäßig durchzuführenden Emissionsmessungen nach BlmSchG.

Seine Tätigkeiten sollen sich auf folgende Schwerpunkte erstrecken:

 

-          Klären / Ergänzen der Aufgabenstellung auf Grund der Vorgaben des AG

-          Ermitteln der Planungsrandbedingungen und Beraten zum gesamten Leistungsbedarf

 

-          Mitwirkung bei der Vertragsverhandlung

-          Überwachung der Ausführung des Objektes auf Übereinstimmung mit der beauftragten bzw. angebotenen technischen Lösung

-          Prüfen und Bewerten der Notwendigkeit geänderter oder zusätzlicher Leistungen der Unternehmer und der Angemessenheit der Preise

-          Mitwirken bei der Leistungs- und Funktionsprüfung

-          Durchführung von Leistungsmessungen und Funktionsprüfungen als Kontrolle gegenüber den Generalübernehmerleistungen

-          Mitwirken bei der fachtechnischen Abnahme der Leistungen einschließlich Feststellen von eventuellen Mängeln und  Erteilung einer Abnahmeempfehlung

-          Teilnahme an behördlichen Abnahmen (sofern erforderlich)

-          Prüfung der übergebenen Revisionsunterlagen auf Vollzähligkeit, Vollständigkeit und Prüfung auf Übereinstimmung mit dem Stand der Ausführung

 

 

 

 

 


Finanzielle Auswirkungen:

investitionsseitig:

Nach der Grobanalyse ist mit einem Gesamtkostenumfang in Höhe von 450,0 T€, der sich wie folgt aufteilt, zu rechnen:

 

-          Komplettzustellung inkl. Drehplatten/Drehlager und allen Konsolen/Adaptern zur Wiederverwendung der vorhandenen Brenneranlage                                                         160,0 T€

-          Erneuerung des Ofengehäuse  50,0 T€

-          Austausch der Anlagensteuerung in ein vollautomatisches Verbrennungs-

Prozessmanagement  80,0 T€

-          Erneuerung Abgasventilatorund Umsetzung  15,0 T€

-          Abriss vorhandener Ofen 2einschl. Rückbau Brenneranlage  15,0 T€

-          Erneuerung Einfahrmaschine und Anpassungsarbeiten im Abgaskanal  20,0 T€

-          Austausch des alten Wärmetauschers (2 Teile), Leistungserweiterung, Austausch

Glykolpumpe usw.  40,0 T€

-          Umsetzung Kompressoranlage    5,0 T€

-          Inbetriebnahme Adsorber incl. Erstbefüllung mit Sorbalit  15,0 T€

-          Sonstiges und Kosten Berater/Consulter  50,0 T€

 

 

Diese  Investition ist in Form von Abschreibungsbeträgen auf einen Zeitraum von 10 Jahren zu verteilen und in der Anlagenbuchhaltung zu aktivieren (sh. Anlage 2).

Nach heutigem Kenntnisstand ist mit den Leistungsentgelten, die sicherlich in diesem Zeitraum (allein schon aus tariflichen Lohnsteigerungen heraus) moderat angehoben werden müssen, eine Refinanzierung gesichert.

 

finanzhaushaltsseitig:

hrend der Bauarbeiten steht der Einäscherungsbetrieb für ca. 12 15 Wochen still.

Um keine Kunden zu verlieren, wird vorgeschlagen, weiterhin die Anlieferung der Verstorbenen, die Kühlmöglichkeiten sowie Ausgabe der Urnen, einschl. aller Nebenleistungen am Standort anzubieten.

Der Hin- und Rücktransport der Leichname zu Partnerkrematorien erfolgt ebenfalls unter Federführung unserer Krematoriumsleitung.

Letztendlich läuft der Betrieb für Außenstehende ungestört weiter und der von den Bestattern geschätzte Komfort wird im Wesentlichen aufrechterhalten.

r diesen Aufwand werden neben der Krematoriumsleiterin noch zwei Mitarbeiter benötigt.

Ein Mitarbeiter kann im Friedhofsbereich auf der Basis der inneren Verrechnung für andere Arbeiten herangezogen werden.

In Summe ist davon auszugehen, dass sich das Defizit auf ca. 10  T€ r 2017 belaufen wird.

Die entsprechenden Veranschlagungen im HH-Entwurf 2017/18 wurden vorgenommen.

 

 

 

 

 

Raphael KürzingerSven HörningHeike Hentschel

OberbürgermeisterFachbereichsleiterFachbedienstete für das

Bau und StadtentwicklungFinanzwesen                                         

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Anlagen:

Anlage 1: Grobdarstellung der Baumaßnahme

Anlage 2: Wirtschaftlichkeitsbetrachtung Krematorium

 

 

Anlagen:  
  Nr. Name    
Anlage 1 1 Anlage 1 Ofenanlage Krematorium (455 KB)    
Anlage 2 2 Anlage 2 - Ofenanlage Krematorium (61 KB)    
Anlage 3 3 Vergleichsskizze (151 KB)    
Anlage 4 4 Anlage Sargeinfahrmaschine (446 KB)