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Vorlage - VI/2016/0380/IV  

 
 
Betreff: Information zur Kostenentwicklung zum Bauvorhaben "Erweiterung und Modernisierung Goethegymnasium, Schulteil Ackermannstraße"
Status:öffentlichVorlage-Art:Informationsvorlage
Federführend:65 Hoch- und Tiefbau / Öffentliche Einrichtungen   
Beratungsfolge:
Technischer Ausschuss Anhörung
21.03.2016 
Öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Technischen Ausschusses      
Stadtrat Anhörung
04.04.2016 
Öffentliche Sitzung des Stadtrates zur Kenntnis genommen   

Beschlussvorschlag
Sachverhalt
Finanzielle Auswirkungen
Anlage/n

Beschlussvorschlag:

 

 


Gesetzliche Grundlagen:

-          § 28 Abs. 1 u. 2 SächsGemO

-          § 52 Abs. 4 SächsGemO

 

Sach- und Rechtslage:

  1. Allgemeines zum Bauverlauf und zur Kostenentwicklung:

 

Die Gesamtausgaben für das Projekt, einschließlich Containeranlage wurden im Rahmen des Vorhabenbeschlusses mit 6,073 Mio€ angegeben.

Nachdem ca. 82 % der Bauleistungen vergeben, 50 % dieser umgesetzt und ca. drei Viertel der Bauzeit absolviert wurden, ist absehbar, dass eine deutliche Kostensteigerung nicht mehr zu umgehen ist, sofern am ursprünglich beschlossenen Bauprogramm festgehalten wird. Die Kostenmehrung wird vom Fachamt mit ca.10 % prognostiziert.

 

Folgende Hauptursachen sind aus Sicht des Fachamtes zu nennen:

 

a) Komplex der Planungs- und Kostensicherheit:

 

Es muss erwähnt werden, dass im Zuge der Entwurfsplanung die Bauleistungen in bestimmten Bereichen nicht mit der gebotenen Sorgfalt planerisch durchdrungen und kostenseitig erfasst wurden. Dies lag zum einen an dem Termindruck gegenüber dem Zeitpunkt der Fördermittelantragstellung, zum anderen an der in Teilbereichen noch nicht entschiedenen Gestaltung durch Bauherrn und den Planern (z.B. Freianlagen).

 

Erschwerend kommt hinzu, dass in der Projektphase Kürzungen des Gesamtkostenrahmens vorzunehmen waren, wodurch quasi sämtliche Puffermöglichkeiten für unvorhersehbare Mehrkosten wegfielen. Bei einer großen Zahl der vergebenen Bauaufträge musste bereits nach dem Ausschreibungsverfahren eine höhere Vertragssumme akzeptiert werden, als die Kostenberechnung des Architekten auswies.

 

Ein weiterer, schwerwiegender Fakt ist, dass mit dem Andocken des Laubengangs an das Nebengebäude der Bandschutzprüfingenieur auch das Nebengebäude im Baugenehmigungsverfahren in die Gesamtbetrachtung einbezogen hat. Dabei kamen schwerwiegende, brandschutztechnische Mängel zum Vorschein. Davon konnte der Architekt aber nicht ausgehen, da eine gültige Baugenehmigung für das Nebengebäude vorlag, deren Bedingungen aber nicht mit der wirklichen Nutzung in Einklang zu bringen sind. Daraus ergaben sich ebenfalls Projektänderungen wie eine veränderte Fluchtwegführung für das Obergeschoss in Verbindung mit der Schaffung eines weiteren Außentreppenabganges.

 

Ein weiterer Umstand sind die erst im Nachgang zum Baubeschluss festgelegten bzw. näher untersuchten gestalterischen Lösungsansätze in den denkmalpflegerisch wertvollen Bereichen. Dieser Prozess dauert an und bietet u.U. auch geringes Einsparungspotential.

 

 

 

 

 

b) unvorhersehbare und unvermeidliche Leistungen

 

Hierunter fallen alle die Leistungen, die erst nach Beräumung der Schule und Zugänglichkeit bzw. Freilegung der zu bearbeitenden Bereiche in Art und Umfang erkennbar waren, zu deren Ausführung aber keine Alternative bestand bzw. andere Lösungsmöglichkeiten einen extremen Einfluss auf die bauvertraglichen Fristen gehabt hätten.

Beispielhaft sind das:

 

- Schädigungsgrad der Dachkonstruktion des Hauptgebäudes, insbesondere im Bereich Aula

- statische Tragfähigkeit des Turnhallendaches

- konstruktive Mängel beim Natursteintraufgesims Hauptgebäude

- statische Unzulänglichkeiten bei Fenstergewänden Hauptgebäude

- Gründungsqualität des Hauptgebäudes

 

In Summe führte dies zu einer deutlichen Steigerung der Auftragssummen in den betreffenden Losen 02 Baumeister, 03 Trockenlegung, 04 Zimmerer, 05.1 Naturstein Traufgesims.

Auch im Bereich Los 01 Gerüstbauarbeiten sind auf Grund oben genannter Sachverhalte und technologischer Abhängigkeiten Mengenmehrungen nicht zu vermeiden gewesen. 

 

c) Zusätzliche oder geänderte Leistungen infolge von Bauherrenentscheidungen

 

Das Fachamt hat trotz aller Probleme bisher daran festgehalten, den denkmalpflegerisch wertvollen Bereich (z.B. Aula, Treppenhaus und Eingangsfoyer) in hoher Qualität in seiner Ursprungsfassung wiederherzustellen. Das zieht relativ kostenintensive restauratorische und architektonische Lösungen bzw. Leistungen nach sich, die sich erst im Zuge des laufenden Abstimmungsprozesses mit der Denkmalschutzbehörde herauskristallisieren.

Im Ausstattungsbereich wurde der Wunsch der Schulleitung nach Einsatz der neuesten Generation von interaktiven Tafeln berücksichtigt.

Die externen Planungsleistungen für die Möbelausstattung sind ebenfalls in der ursprünglichen Kostenberechnung nicht enthalten und wurden durch die Verwaltung an einen externen Planer vergeben werden,

 

 

II. zahlenmäßige Kostenbetrachtung

 

Nach aktueller Kostenverfolgung ist von einem neuen Gesamtkostenrahmen von ca. 6,7 Mio€ auszugehen. Hierbei ist eine kleine Reserve von ca. 50,- T€ berücksichtigt.

Um die Finanzierung darzustellen, müssen neben den ohnehin nicht förderfähigen Kosten der beweglichen Ausstattung auch die Leistungen berücksichtigt werden, die vom Fördermittelgeber als nicht förderfähig eingestuft werden. Dazu zählen insbesondere zum einen die baulichen Eingriffe an der Fassade des Nebengebäudes, die bereits 1999 einer Förderung unterlagen, zum anderen die Nachbesserungen im Elektrobereich des Nebengebäudes, die mit heutigem Kenntnisstand als mangelhaft einzuschätzen sind und bei Belassen zu einer Versagung der Abnahme durch die entsprechenden Prüfingenieure Brandschutz / Elektro führen würde.

 

Mit der nachfolgenden Tabelle werden in verkürzter Form die neuen Kostenverhältnisse mit dem Stand des Förderbescheides auf der Basis der DIN 276 (Kosten im Hochbau) verglichen:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bezeichnung

 

nach Förderantrag

 

nach Förderbescheid

(förderfähige Kosten)

 

aktuelle Kosten Stand: 08.03.2016

 

 

KG 200

 

KG 300

 

KG 400

 

KG 500

 

KG 600

 

 

KG 700

 

 

Erschließung

 

Baukonstruktion

 

techn. Anlagen

 

Freianlagen

 

Ausstattung (beweglich)

 

Baunebenkosten

 

255,8 T€

 

3.373,8 €

 

1.218,8 T€

 

148,8 T€

 

90,8 T€

 

 

984,8 T€

 

272,6 T€

 

3.345,1 T€

 

1.193,4 T€

 

148,8 T€

 

90,8 T€

 

 

968,7 T€

 

262,0 T€

 

3.910,0 T€

 

1.007,6 T€

 

148,8 T€

 

132,1 T€

 

 

1.022,3 T€

 

 

Summe:

 

KG 300, 400 u. 700

 

 

 

 

 

Kosten für die brandschutz-

technische Ertüchtigung Nebengebäude

 

 

6.072,8 T€

 

6.019,4 T€

 

6.482,8 T€

 

167,6 T€

 

Gesamtkosten

 

Reserve

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

6.650,4 T€

 

      49,6 T€

_________

6.700,0 T€

 

 

 

 

 

Fehlbetrag

 

 

 

6.700,0 T€ 6.073,0 T€ ( Baubeschluss ) = 627 T€

 

 

III. Lösungsansätze zur Deckung bzw. Kostenbegrenzung

 

a) bei Beibehaltung des Bauprogrammes:

 

Im günstigsten Falle kann bis auf die Mehrkosten in der KG 600 in Höhe 41,3 TE von einer fast vollständigen 2/3 Förderung in den Hauptkostengruppen 200 bis  500 und 700 ausgegangen werden.

Hier würden aus heutiger Sicht 585,7 förderfähige Mehrkosten entstehen, die mit 390,47 T€ Kassenmitteln gefördert werden könnten. So würde für den gesamten Fehlbetrag ein zusätzlicher Eigenmittelbedarf in Höhe von 236,5 T€ ( 195,2 (1/3 von 585,7 T€) + 41,3 T€ ) entstehen. Da im gesamten Fehlbetrag der Mehrbedarf für die interaktiven Tafeln bereits beinhaltet ist, für den durch den Stadtrat am 29.02.2016 bereits eine überplanmäßige Ausgabe in Höhe von 122,-T€ mit reinen Eigenmitteln beschlossen wurde, reduziert sich der zusätzliche Eigenmittelbedarf um diesen Betrag auf dann 114,5 T€.

 

Hierzu sind noch intensive Abstimmungen mit dem Fördermittelgeber SAB und der Prüfbehörde SIB erforderlich.

 

 

 

 

 

 

 

b) bei Reduzierung des Bauprogrammes:

 

Im Falle einer nicht vollständigen Finanzierbarkeit der Mehrkosten wird nachfolgend der Vorschlag unterbreitet, die energetischen und ästhetischen Verbesserungen an der Gebäudehülle des Nebengebäudes erheblich zu reduzieren oder auf Folgejahre zu verschieben.

Konkret betrifft das folgende Teilleistungen:

 

- Wärmedämmverbundsystem 52,2 T€

- Aufdachdämmung60,8 T€

- Alu-Verkleidung der Westfassade65,9 T€

- Umbau / Ergänzung Blitzschutz10,0 T€

- Baumeisterarbeiten15,0 T€

- dazugehörige Gerüstkosten15.0 T€

 

Summe218,9 T€

 

Das würde dann eine momentane Reduzierung der Eigenmittel bei vorausgesetzter Förderung von ca. 72,9 T€ Eigenmittel (1/3 von 218,9 T€) ergeben. Bei einer solchen generellen Überlegung müsste dann auch ebenfalls über die Reduzierung oder Verschiebung des Bauprogramms für die Außenanlagen  in Höhe von 148,8 T€ nachgedacht werden, was im Maximalfall eine momentane Reduzierung der Eigenmittel in Höhe von weiteren 49,6 T€ zur Folge hätte. In Summe ( 72,9 T€ + 49,6 T€ ) ergäbe das eine momentane Reduzierung des Eigenmittelbedarfs von 122,5 T€.

 

Jedoch ist aus Sicht des Fachamtes ein Abweichen vom Bauprogramm zwar technisch möglich, aber mit einer ganzen Reihe von Nachteilen behaftet ist. Neben den ästhetischen Mängeln (Veralgung und Verschmutzung der Westfassade) sind auch die dann nach wie vor gegebenen Transmissionswärmeverluste über die mit Defiziten reichlich gesegnete Gebäudehülle zu nennen. Eine nachgeschobene Realisierung müsste dann wiederum unter Schulbetrieb erfolgen, wobei fertiggestellte Bausubstanz u. U. in Mitleidenschaft gezogen wird.

 

 

IV. Fazit und Ausblick

 

Die Verwaltung muss schnellstmöglich den Mehrbedarf zur bereits bewilligten Förderung mit der SAB und SIB im bereits genutzten Bund-Länder-Programm „Innenstadt“ abklären. Es ist geplant die vorgesehene Finanzierung bis zum Beschluss des Haushaltes 2016 am 02.05.2016 vorzulegen. Sollten Verschiebungen im Bauablauf vorgesehen werden, müsste dazu eher eine Entscheidung getroffen werden.

 

 

 

 

D. Kießling

H. Greger     S. Hörning

         H.Hentschel

 

Amtsverweser